Lehrkräfte im Portrait

Christine Fürniß-Stephan


Christine Fürniß-Stephan unterrichtet seit 2010 Gesang an der Wiesbadener Musik- & Kunstschule und hat darüber hinaus einen Lehrauftrag für Stimmbildung an der Wiesbadener Musikakademie. 


2018 war sie für die erste Musicalproduktion der WMK mit
 Schülerinnen und Schülern aller Gesangsklassen verantwortlich.
In diesem Jahr inszeniert Sie eine Neuauflage des Musicals. Die Proben laufen bereits. Am Freitag, 29. November und Samstag, 
30. November geht es dann für die Gäste im Kulturforum auf die Reise durch die Welt der Protagonisten vom "Terminal 2".


Wir haben mit ihr über erfolgreiche Stimmarbeit, die richtige Auftrittsvorbereitung und ihre neue 
Musical-Produktion gesprochen. 


Gibt es ein "Geheimrezept" für eine tolle Stimme? 


Das Schöne und Faszinierende an der Stimme ist für mich ihre Individualität und Einzigartigkeit. Keine Stimme klingt wie eine andere. Deshalb ist jede Stimme "toll", da es sie nur ein einziges Mal auf der ganzen Welt gibt. Im Gesangsunterricht geht es dann darum, was meine Stimme noch alles kann, was ich an technischen Fertigkeiten brauche, um stilistisch das singen zu können, was ich ausdrücken möchte. Wir arbeiten im Unterricht quasi daran, einer tollen Stimme mehr Ausdrucksmittel zu verleihen, mehr Möglichkeiten zu finden, den Stimmumfang voll auszuschöpfen. Eine Prise Talent schadet sicher nicht, aber in der Hauptsache ist eben die Arbeit in den Gesangsstunden und natürlich viel Üben zu Hause, was am Ende eine, sagen wir, noch "tollere" Stimme ausmacht.



Haben Sie musikalische Vorbilder?


In allen Genres gibt es Sänger, die mich faszinieren, die ich mir stundenlang anhören könnte. Alle zu nennen würde hier den Rahmen sprengen, also nenne ich mal vier:
Im Bereich der Alten Musik ist für mich als erstes Emma Kirkby zu nennen. Ihre feine, geradlinige Stimme hat mich quasi zur Klassik gebracht. Ich hatte das große Glück, sie auf einem Meisterkurs ganz persönlich als Sängerin und Lehrerin zu erleben und sie hat mich durch ihre positive Art sehr inspiriert. Bei Philippe Jarousskys engelsgleicher Stimme komme ich immer ins Schwärmen. Für mich eine der schönsten Countertenöre unserer Zeit. Die Kanadierin Loreena McKennit bezeichnet sich selbst als Weltmusikerin. Im weitesten Sinne würde ich ihre Musik als Folk bezeichnen, wobei sie immer verschiedene Elemente aus aller Welt in ihrer Musik einbindet. Mal klingt sie keltisch, irisch, 
mal orientalisch. Eine beeindruckende Sängerin, die mich auch live voll überzeugt hat. Last but not least natürlich Whitney Houston. Ihr 
Best-of-Album kenne ich seit meiner Jugend in und auswendig.



Was geben Sie Ihren Schülerinnen vor Wettbewerben wie z.B. "Jugend musiziert" mit auf den Weg? 


Die Arbeit hin auf einen Wettbewerb ist das Ziel. In der Zeit vor dem großen Tag werden die Schüler immer besser. Egal wie viele Punkte im Endeffekt vergeben werden, egal mit welchem Ergebnis man aus einem Wettbewerb kommt, das was man erreicht hat, ist wertvoll und das kann den Schülern niemand mehr nehmen. 



Sie haben klassischen Gesang studiert und sich dann im Popular-Bereich weitergebildet. Was verbindet die beiden Bereiche? 


Bei meinen Fortbildungen in Musical- aber auch Pop-Gesang habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich verschiedene Klänge nicht gegenseitig ausschließen müssen. Jede Stilistik hat ihre eigenen Klang-Charakteristiken, die sich sehr wohl gegenseitig befruchten können. Im Musical kam mir meine klassische Gesangsausbildung sehr zugute. Andererseits waren Stellen in einer italienische Arie nach einem Workshop für Popmusik plötzlich viel leichter zu singen. Unsere Stimme kann so viele Sounds produzieren und es ist sehr spannend, auf die Suche nach neuen Farben zu gehen und herauszufinden, was man alles singen kann. 



Im November geht das WMK-Musical "Terminal 2" in eine Neuauflage. Was erwartet die Gäste?

"Ein Tag, ein Ziel - kein Abenteuer zuviel! Kein Anfang, kein Ende - unsre Reise ist das Ziel." 
Diese Zeilen aus dem Eröffnungsstück sind unser Motto. Ein neues Terminal mit vielen neuen Reisenden und ihren Geschichten erwartet die Zuschauer. "Wo reise ich hin, was bringt meine Zukunft, welche Abenteuer werde ich erleben?" All diese Fragen stellen sich unsere Protagonisten. Aber man darf auch gespannt sein, was sonst noch so alles an einem Flughafen passieren kann, außer nur Abzufliegen und Anzukommen. 
Die Proben an fetzigen Ensemble-Nummern, schwärmerischen Musical-Balladen und lustigen Songs bereiten uns jetzt schon sehr viel Spaß! Die Verbindung von Tanz und Gesang hat allen Mitwirkenden im letzen Jahr sehr gut gefallen und alle sind gespannt, was uns im Tanzworkshop im September erwartet. Aber klar ist jetzt schon: Es wird sich lohnen, sich die Storys vom "Terminal 2" nicht entgehen zu lassen! 


Zur Person


Christine Fürniß-Stephan studierte Gesangspädagogik an der Wiesbadener Musikakademie bei Maria Tuczek-Graf. Es folgte ein künstlerisches Aufbaustudium im Fach Konzertgesang bei Elisabeth Schmock an der Akademie für Tonkunst, Darmstadt. Schon früh entdeckte sie ihre Vorliebe für die historische Aufführungspraxis Alter Musik und besuchte Kurse für Barockgesang und barocke Gestik bei Barbara Schlick, Monika Mauch und Emma Kirkby. Für den Bereich Musical und Pop absolvierte sie den zweijährigen Lehrgang Pädagogik des Populären Gesanges des BDG in Osnabrück mit Unterricht bei Noelle Turner und Petra Scheeser und besuchte Kurse im Estill Voice Training bei Sascha Wienhausen. Christine Fürniß-Stephan arbeitet als Gesangslehrerin an der WMK, hat einen Lehrauftrag für Stimmbildung an der WMA, ist 
als Dozentin an der Musikschule und Musikakademie Germersheim tätig und leitet zwei Kinderchöre.